Bericht Besuch Revierzentrale und Grenzwachtboot „Basilisk“ 21.08.2015, 17:00h-19:00h

Zur vergnüglichen Weiterbildung bei bestem Wetter kamen 6 Personen. Michael Lyons, Abteilungsleiter der Schweizerischen Rheinhäfen, erläuterte während des Betriebes Funktion und Ausstattung der Revierzentrale. An dieser Präsentation nahm auch die Schiffsführung des Grenzwachtbootes „Basilisk“ teil.

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Das erhaltene 1. Logbuch der Revierzentrale von 1932 weist einen Schleppverband ohne Meldung und für das Vergehen eine Busse aus. Der Nächste Eintrag datiert erst aus 1933.

Der markante kleine Tower mit optimaler Rundumsicht über Hafenbecken und Rhein wurde in Kriegszeit 1943  gebaut. Als Einzelbauwerk ist er unter 46.0.12 im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung in Kategorie A gleichrangig mit dem Dreiländereck Denkmal gelistet.

Rheinabschnitte
Quelle: http://www.iksr.org/fileadmin/user_upload/Dokumente_de/Symposien_u._Workshops/Melde-_und_Informationssystem_Binnenschifffahrt.DE.pdf

Auf der Revierzentrale im Rheinabschnitt 6 zwischen Rheinfelden (Rhein-km 149.22) und Stauwehr Märkt (Rhein-km 174) werden 12‘000 Schiffsbewegungen pro Jahr mit modernster Technik Montags – Freitags von 05:00h – 21:00h, Samstag 05:00h – 13:00h überwacht, geregelt, registriert und bei Bedarf Lotsen und Vorspannboote eingeteilt. Die Daten für die Umschlagsstatistik werden hier erhoben, die Rheinwasserstände von hier aus übermittelt. Notfälle, Sperrungen und Gefahrguttransporte werden über die Revierzentrale abgewickelt. An Sonn- und Feiertagen steht ein Piketdienst bereit. Bei Hochwasser und Havarien ist die Revierzentrale 24h besetzt. Nächste Revierzentrale im Rheinabschnitt 5 zwischen dem Stauwehr Märkt und Lauterburg (Rhein-km 352.00) ist die französische Caring Gambsheim nördlich von Strassburg.

Das nautische Team besteht aus 12 Personen, allesamt Inhaber des Schiffsführerpatentes für die Grossschifffahrt Davon braucht es im Rheinabschnitt 6 übrigens 2. Das eine gilt für die internationale Wasserstrasse bis zur Mittleren Brücke, das andere für den schiffbaren Hochrhein bis Rheinfelden. Jeweils 5 Personen werden in eine Früh- und Spätschicht eingeteilt.

Rheinpegel:  Die hydrologischen Daten der Pegel Rheinhalle gegenüber der Birs-Mündung, Klingenthalfähre und Hafen laufen hier auf einem Pegel-Server zusammen und werden auf der Website der Schweizerischen Rheinhäfen zeitnah veröffentlicht. Der Pegel Rheinhalle ist der wichtigste in Basel, er wird im Tower auf einem Wanddisplay angezeigt und zusammen mit dem Pegel Klingenthal ans BAFU und dem ELWIS gemeldet. Die Pegelwerte dienen nicht nur der Schifffahrt sondern sind bei Hochwasser für den Umwelt- und Katastrophenschutz relevant. Vor dem Tower wird der Pegel Rheinhalle im Grossformat für die Schifffahrt angezeigt.

Der Binnen Vessel Traffic Service (VTS) nach den RIS Richtlinien der ZKR besteht technisch im Wesentlichen aus Radarüberwachung, Videoüberwachungsanlage, UKW-Funk, dem Automatic Identification System (AIS). Fähren und Kleinboote ohne AIS sind im VTS mit Radar-Overlay sichtbar.

Seit 14.04.2012 werden in Basel mit dem Kompaktsystem inVTSbox ng auf 4 hochauflösenden Monitoren die Schiffbewegungen im Rheinabschnitt 6 auf elektronischen Binnenschifffahrtskarten (Inland ENCs) im ECDIS-Standard in Echtzeit dargestellt. Merkblatt Inland ECDIS

Radar:  Radar ist das wichtigste Hilfsmittel der Binnenschifffahrt für die taktische Verkehrsinformation. Schiffsbewegungen mit einer Mindestgeschwindigkeit 4km/h sowie Einschränkungen in der Stadt können mit einem hochauflösenden Fluss Radargerät JFS 364C überwacht  werden. Grundsätzlich müssen Skipper aber wissen: Kleinboote bieten ein schwaches Radarecho, das leicht zu übersehen ist; deshalb müssen sie bei Tag und Nacht regelmässig auch nach hinten schauen.

Automatisches Identifikation System Schifffahrt
AIS ist seit 2000 ein standardisiertes Verfahren zum automatischen Austausch von nautischen Daten zwischen Schiffen sowie zwischen Schiffen und Einrichtungen an Land. Die Schiffe sind dazu mit Transpondern ausgestattet. Die Tansponderdaten werden über Satelliten (weltweit) oder mit UKW (Inland AIS) ausgetauscht. Merkblatt Inland AIS

Die Verknüpfung von Transponderdaten der Schiffe (AIS)  oder der Flugzeuge (ADS-B) mit Karten wird zur Überwachung des Schiffs- und Flugverkehr eingesetzt. Eine Vorstellung davon gewinnt man auf Websites, welche die Mashup Technologie nutzen:


http://www.marinetraffic.com/de/
http://www.fleetmon.com/de/ports/Basel_17865
http://shipfinder.co/
http://Flightradar24.com
zeigt weltweit Real-Time den Flugverkehr über uns

Landgestützte CCTV-Kameras zur Überwachung des Rheinabschnitts.
Als „Adlerauge“ können mit hochauflösenden dreh- und zoombaren Kameras Schiffsbewegungen in Echtzeit auf einem Grossbildschirm mit Splitscreen in 4 Überwachsbereichen gleichzeitig beobachtet und aufgezeichnet werden.

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Das Melde- +Informationssystem Binnenschifffahrt  erstreckt sich auf dem Rhein von Rheinfelden bis Rotterdam. Die Revierzentralen erfassen darin die Transportdaten der Schiffe bei Fahrtantritt und aktualisieren die Daten unterwegs. Bei Havarien geben die Revierzentralen die Daten an die Rettungsdienste und die für die Gefahrenabwehr zuständigen Stellen weiter. Dadurch können diese schnell handeln und dem Schutz der Besatzungen, der Bevölkerung und der Umwelt dienen. Folgende Daten werden erfasst: Schiffsname, Schiffsgattung, Fahrtrichtung (zu Berg, zu Tal), Standort, Be- und Entladehafen, Anzahl Personen an Bord, Fracht(Stoffname, Stoffmenge) und bei Gefahrgütern: UN-Nummer, Klasse und Ziffer. Meldepflichtig sind Tanker, Schiffe mit > 20 Container, Hotelschiffe, besonders grosse Schiffe und Verbände. Seit 2002 ist die Revierzentrale Basel angeschlossen.
Merkblatt Elektronische Meldungen in der Binnenschifffahrt

UKW-Funk mit Schiffen:  Die Revierzentrale Basel nutzt 5 Kanäle; sie hat mit 2 Antennen – eine steht auf dem Dach der Berufsfeuerwehr – die stärkste Sendeleistung und kann sich gegenüber allen übrigen Funkteilnehmern durchsetzen. Der 10 stellige Automatic Transmitter Identification System (ATIS)-Code der Schiffsfunkstelle wird nach jeder Sendung mit Landeskennung und codiertem Rufzeichen ausgestrahlt und der Revierzentrale zur Identifikation angezeigt. ATIS ist ein durch die Regionale Vereinbarung über den Binnenschifffahrtsfunk in vielen europäischen Ländern vorgeschriebener Bestandteil von Binnenschiffsfunkstellen. Zur Beweissicherung z.B. bei Havarien wird der Funkverkehr generell aufgezeichnet.
Kanal 18:    Nautischer Informationsfunk (INF)
Kanal 10:    Funk zwischen Schiffen
Kanal 22:    Schleuse Birsfelden
Kanal 14 + 11:   Reserve
Handbuch Binnenschifffahrtsfunk 2015/1. S.49

Notruf: Alarmierende nutzen die Notrufnummern.
112 Notruf, funktioniert international auch mit PIN-geschütztem Mobiltelefon,
117 Polizei,
118 Feuerwehr,
144 Rettungswagen.
Alles weitere veranlasst die Revierzentrale mit Polycom Sicherheitsnetz Funk der Schweiz. Es ermöglicht den Funkkontakt zwischen den verschiedenen Organisationen Grenzwacht, Polizei, Feuerwehr, sanitätsdienstliches Rettungswesen, Zivilschutz und unterstützende Verbände der Armee.

Notstromversorgung: Die Revierzentrale verfügt über eine redundante Funkanlage. Stromausfälle < 30min können durch eine batteriegespeiste unterbrechungslose Stromversorgung (USV) überbrückt werden. Längere Ausfälle kann der Schiffsgenerator des Bilgenentöler-/Ölwehrboot BIBO REGIO problemlos bis zu 14 Tagen überbrücken.

Einfahrt Hafengebiet für Kleinboote:
Die Berufsschifffahrt im Hafengebiet hat Vorrang. Alle Schiffsbewegungen im Hafen müssen zur Sicherheit der Revierzentrale gemeldet werden. Die Bewilligung der Revierzentrale ist immer abzuwarten. Die Kommunikation wird in der Regel über Funk UKW-Kanal 18 abgewickelt. Optisch wird die Einfahrt zum Hafen wie bei den Schleusen mit Lichtsignalen gesteuert. Da Funk und Mobiltelefone auf Kleinbooten nicht vorgeschrieben sind, besteht ein Kommunikationsproblem. Die Revierzentrale kann wegen der nötigen Sicherheit die Zufahrt ohne Kommunikation nicht erlauben. Im Hafenbecken 1 kann zur Kanisterbetankung bei der AVIA Tankstelle der „fuhle Ecke“, das Restaurant „Rostiger Anker“ sowie die Werkstatt Nautic-Solutions erst angefahren werden, wenn Boote ohne Funk sich bei der Revierzentrale mit Tel.: +41 (61) 639 95 30 anmelden und hierfür eine Bewilligung erhalten.

Präsentation + Ausfahrt Grenzwachtboot „Basilisk“ Fw. Rungger, stv. Postenchef/Teamchef, Chef Grenzwachtboot erläuterte:
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Das Grenzwachtkorps (GWK) ist der bewaffnete und uniformierte Verband der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) und gehört zum Eidgenössischen Finanzdepartement (EFD). Es ist das grösste nationale, zivile Sicherheitsorgan der Schweiz mit ca. 1950 Personalbestand. Auch wenn das Korps blaue Hemden trägt, ist es nicht mit der Polizei zu verwechseln. Das Grenzwachtkorps ist operativ in 7 Grenzwachtregionen unterteilt. Basel gehört zu Region I (Kantone BS, BL, SO, AG, BE, LU, OW, NW). Die römischen Ziffern auf der Schulterklappe signalisieren die Regionszugehörigkeit. Die 38 Grenzwachtposten (Gzw Po) der Grenzwachtregionen bilden die taktische Ebene. Geführt werden sie von Postenchefs (Pch). Es gibt bundesweit 4 Einsatzzentralen. Die Einsatzzentrale GWK Nord in Basel führt mehrere Grenzwachtposten. Das Grenzwachtschiff „Basilisk“ gehört zum Grenzwachtposten Basel Nord, und trägt als Bundesschiff im Gegensatz zu „Attila“ keine BS Kontrollnummer.

Wer als Skipper zoll- und MWST pflichtige Waren mit dem Boot einführt, muss am Anleger vor der Revierzentrale festmachen und an der Zollstation Kleinhünigen die Waren deklarieren. Ist kein Beamter da, so ist ein Formular auszufüllen und in den Briefkasten vor Ort zu legen. Der Deklarierende erhält die Rechnung per Post. Im Ausland ausgeführte Bootsreparaturen > Fr. 300 sind ebenfalls zu verzollen.

Das Grenzwachtboot „Basilisk“ wurde 2001 in der Westschweiz aus robustem Polyester gebaut und kürzlich generalüberholt; dabei hat es grenzwachteinheitlich den blau/gelben Signalanstrich erhalten. 2 x 170PS VOLVO Penta Diesel-Motoren mit 2x 200l Tank bieten 60km/h Topspeed.

Das Boot verfügt über ein hochauflösendes Fluss Radargerät JFS 364C – das gleiche System wie auf der Revierzentrale, ein Lowrance HDS 8 Echolot/Fischfinder/GPS Kartenplotter, Infrarot-Nachtgläser, 3 verschiedene Funksysteme. Für die Erste Hilfe ist „Basilisk“ mit Suchscheinwerfer, Rettungsringe, Defibrillator und vieles andere mehr ausgestattet.

Das Highlight der Präsentation war natürlich nicht der Vortag allein, sondern die Einladung zu einer Schnupperfahrt mit dem „Basilisk“ bei schönstem Wetter bis zur Mittleren Brücke.

Obligatorisch erhielt jeder hierzu eine topmoderne Schwimmweste. Korporal Wyss steuerte und Fw. Rungger informierte während der Fahrt auf dem Vorschiff über die vielfältigen Aufgaben des Grenzwachtbootes. Als originäre Aufgabe dient der „Basilisk“ nicht nur der Bekämpfung des Schmuggels er ist auch Teil der Rheinrettung. Der Bock aus Stahlrohr auf dem Vorschiff wird zur Besteigung hoher Bordwände benötigt. An einem Frachtschiff wurde das Anlegemanöver simuliert.

Bei der Havarie des Baggerschiffes „Merlin“ hätte der Bock auch zum Abbergen von Passagieren gedient. Im Sommer erfordert das Rheinschwimmerspektakel erhöhte Aufmerksamkeit. Der Sport hat sich in Basel zur touristisch beachteten Kultszene entwickelt. Zur Sicherheit haben sich die bunten Wickelfisch-Kleidersäcke bewährt; sie sind keine Schwimmhilfe bieten aber bei Schwäche Auftrieb. Die blauen Bojen auf Kleinbasler Seite grenzen den Schwimmbereich ab. Schwimmen durch die Fahrrinne ist gefährlich, Grossschiffe sind schnell und können Schwimmern nicht ausweichen. Im Durchschnitt fallen pro Jahr 12 personenbezogene Notfälle im Revier an; nicht alle enden glücklich.

Das Rettungsdispositiv bietet sehr schnelle Interventionszeiten. Feuerwehrschiff „Christophorus“ übernimmt bei grösseren Notfällen das Kommando über die „Blaulichtorganisationen“ und koordiniert den Einsatz von Grenzwachtboot „Basilisk“, der Rheinpolizeiboote „Basilea II und „El Viento , dem baugleichen Feuerwehrboot „Helvetia“ sowie das Schifffahrtspolizeiboot „Attila“. Krankenwagen warten dann auf der nächstgelegenen Rheinbrücke. Ja nach Situation wirken auch die Notfalldienste aus D und F mit.

Das Bootshaus mit 2 Plätzen ist mit Dieseltankstelle, Laufkatze zum Anheben und Werkzeug zur Wartung der Boote ausgestattet. „Basilisk“ und das 2002 in Betrieb genommenen Schifffahrtspolizeiboot „Attila“, zuständig für die Grossschifffahrt (> 20m Länge), sind hier komfortabel zu Hause.

Nach diesen vorzüglichen Präsentationen verlegte die kleine Besucherschar gegen 19:00h zu Fuss in das China Restaurant Rheinpark Weil und genoss auf der Gartenterrasse in warmer Sommernacht das appetitliche Buffet.

谢 谢

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